Warum ich schreibe …
Seit Jahren kreisen meine Gedanken um zwei Wahrheiten, die sich scheinbar widersprechen und doch untrennbar miteinander verbunden sind.
Auf der einen Seite steht die Unendlichkeit: Wir bestehen aus Energie, und Energie verschwindet nicht. Sie wandelt sich, zerfällt, verbindet sich neu. Nichts geht verloren. Vielleicht endet deshalb nur die Form – niemals das, woraus sie besteht.
Auf der anderen Seite steht die radikale Endlichkeit unseres bewussten Daseins. Dieses Ich, das liebt, leidet, hofft und zweifelt, ist keine Ewigkeit. Es ist ein flüchtiger Zustand. Und genau darin liegt eine Wahrheit, die viele fürchten: Unsere Zeit ist begrenzt, unsere Bedeutung nicht selbstverständlich.
Doch gerade diese Erkenntnis befreit. Wer die Endlichkeit akzeptiert, hört auf, gegen das Unvermeidliche zu kämpfen. Wer die Unendlichkeit erahnt, verliert die Angst vor dem Nichts. Zwischen beiden Polen entsteht eine Leichtigkeit, die nicht aus Hoffnung geboren wird, sondern aus Klarheit.
Vielleicht ist das die größte Provokation überhaupt: Dass wir nicht hier sind, um unsterblich zu werden, sondern um vergänglich zu sein. Nicht um der Welt unseren Willen aufzuzwingen, sondern um für einen Augenblick bewusst Teil von etwas zu sein, das weder Anfang noch Ende kennt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Lyrik schreibe. Warum ich diese Website pflege. Warum ich mich mit allem und zugleich mit nichts auseinandersetze. Nicht, weil ich Antworten besitze, sondern weil ich den Fragen Raum geben will. Weil jedes Gedicht, jeder Gedanke und jede Zeile ein stiller Versuch sind, dem Unbegreiflichen für einen flüchtigen Moment eine Sprache zu geben. Nicht, um Wahrheit zu besitzen – sondern um ihr zu begegnen.
Ranndy Frahm, Berlin, 25.07.2026
Text © by Ranndy Frahm
Grafiken und Fotos © by Ranndy Frahm
Teilweise KI-generierte Symbolbilder.
Alle Rechte vorbehalten.
Kommerzielle Nutzung aller Inhalte ist nicht erlaubt!
